Wie wird ADHS behandelt?
Zunächst ist es wichtig, dass die Diagnosestellung sorgfältig durchgeführt wird. Neben der klinischen Diagnostik (Gespräche, Fragebogen) werden dabei häufig auch neuropsychologische Leistungstests eingesetzt. Die Abklärung ist zeitaufwendig und schwierig, da ADHS-Symptome auch im Rahmen vieler anderer Störungen, psychischer wie körperlicher Art, auftreten können.
Ist die Diagnose gesichert, so besteht der nächste Schritt in einer umfassenden Aufklärung. Die Entlastung ist oft gross, wenn der Betroffene versteht, woher seine Schwierigkeiten kommen, und dass es ihm weder an Willen, Bemühen, noch an Können (Intelligenz) fehlt. Sinnvoll ist es, dabei auch die Bezugspersonen, zum Beispiel Ehepartner, einzubeziehen. Im Anschluss wird gemeinsam beraten, welche weiteren Schritte sinnvoll sind. Dies hängt von den individuellen Beschwerden, Wünschen und den praktischen Möglichkeiten ab. Nicht wenige Klienten benötigen dank des neuen Verständnisses ihrer Schwierigkeiten keine weiteren Behandlungsschritte. Alleine dadurch, dass sie und ihr nächstes Umfeld die Symptome einordnen und akzeptieren können, nehmen die Selbstvorwürfe und Schuldzuweisungen ab, die Situation entspannt sich. Praxisorientierte Ratgeber-Literatur kann dabei wertvolle Unterstützung leisten. Manche Klienten nehmen Kontakt mit einer Selbsthilfegruppe auf, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Auch im Internet gibt es Gelegenheiten, andere Betroffene kennenzulernen.
Bei stark ausgeprägten Symptomen, die einen hohen Leidensdruck verursachen, und wenn gravierende Auswirkungen drohen (z.B. wenn Arbeitsplatz oder Beziehung auf dem Spiel stehen), ist eine Behandlung aber sinnvoll. Da es sich bei ADHS um eine Störung der Nervenübertragung im Gehirn handelt, ist eine medikamentöse Therapie, die diese Nervenübertragung besser reguliert, naheliegend. In erster Linie kommen sogenannte Psychostimulanzien zum Einsatz, welche bei einem Grossteil der Betroffenen die Konzentration und Verhaltenssteuerung verbessern. Ausschlaggebend dabei ist, dass die Medikamente von einem Arzt genau dosiert werden, dann sind sie sehr gut verträglich und machen auch nicht abhängig (wie fälschlicherweise oft behauptet wird).
Eine psychotherapeutische Behandlung vermag die ADHS zwar nicht zu beheben, kann aber den Betroffenen dabei unterstützen, mit den Symptomen und ihren Auswirkungen besser zurecht zu kommen. Die Therapie richtet sich dabei nach den Anliegen des jeweiligen Klienten, die Ziele müssen also zu Beginn der Behandlung vereinbart werden. Viele Klienten wünschen Unterstützung beim sogenannten Selbstmanagement. Ausgehend von ganz konkreten Schwierigkeiten im Alltag, erarbeiten Therapeut und Klient besser geeignete Handlungsstrategien, die der Klient zwischen den Sitzungen einüben kann. Hierfür hat sich insbesondere die Verhaltenstherapie als wirksam erwiesen. Eine neu diagnostizierte ADHS wirft aber meist auch grundlegende Fragen auf, wie: In welcher Art hat ADHS mein Leben geprägt, wie hat sie sich auf Beziehungen und Beruf ausgewirkt? Welche Möglichkeiten waren mir dadurch verbaut? Die Therapie kann dem Klienten dann einen Rahmen bieten, seine Lebensgeschichte zu beleuchten, seine Gefühle wahrzunehmen und zu äussern, um so ein besseres, wohlwollenderes Verständnis für sich selbst zu entwickeln. Zu einer guten ADHS-Behandlung gehört aber unbedingt auch, herauszufinden, wie das Leben "ADHS-gerechter" gestaltet werden könnte. Dabei geht es nicht nur darum, Bedingungen, die für ADHS-Betroffene schwierig sind, zu verändern (z.B. Ablenkungsfaktoren zu reduzieren), sondern ebenso Bedingungen zu schaffen, unter denen ADHS-typische Stärken vermehrt genutzt werden können, insbesondere im Beruf. Oftmals steht zu Beginn der Therapie aber gar nicht die ADHS im Zentrum, sondern deren Folge- und Begleiterscheinungen wie Depressionen, Ängste, Süchte oder Beziehungsprobleme.